1. Lichterkette: Geduld der Eltern ist zu Ende (HST 01/2008)

Veröffentlicht von Administrator am 01.02.2009
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Das war kein Laternenlauf. Auf dem Kiliansplatz bildeten Hunderte einen Lichterkreis für bessere Bildungspolitik. Eine Kette wäre zu lang geworden.  (Foto: Marc Schmerbeck)

Von Gertrud Schubert

Heilbronn - Über 700 Eltern, Schulkinder, Jugendliche und Lehrer drängten sich am Freitagabend auf dem Kiliansplatz. Mit Lichtern in der Hand wollten sie ein unübersehbares Zeichen setzen, dass sie die Missstände in den Schulen nicht länger hinnehmen.

Jutta Dongus, die neue Vorsitzende des Gesamtelternbeirates Heilbronn (GEB), ist von der großen Teilnahme überrascht und beglückt. Heilbronn beteiligt sich zum ersten Mal an der Aktion Lichterkette der Initiative Schule mit Zukunft. Zeitgleich demonstrieren Eltern in Schwäbisch Hall und Lörrach, Ulm und Bopfingen – in insgesamt 16 Städten und Gemeinden. Der Elternprotest weitet sich aus.

„Die Geduld der Eltern ist am Ende“, ruft Jutta Dongus über den Platz. Und als sie die Forderungen der Eltern aufzählt, fragen sich viele: Seit wie vielen Jahren wird das schon angemahnt? Kleine Klassen, unbürokratischer Einsatz von Ersatzlehrern, Ausbau von Förderung und Arbeitsgemeinschaften, Einstellung von mehr Lehrern und von Sozialpädagogen, Ausbau der Ganztagsschulen mit Personal.

Das Schulsystem darf nicht länger zehn Prozent Verlierer produzieren – Schüler ohne Abschluss. Dongus kritisiert „die extreme Belastung“ im achtjährigen Gymnasium, 55 Stunden in Klasse 8: „Das zerstört die Kindheit und Jugend unserer Kinder.“

Die Schülersprecherin des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums Heilbronn, Maren Balbach, beschreibt die Missstände aus Schülersicht. In den zu großen Klassen ist der Geräuschpegel sehr hoch, die Lehrer sind angespannt, es herrscht unangenehme Atmosphäre, die Schüler vermissen Respekt, von individueller Widmung keine Spur, es ist sehr schwierig, ein gutes Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer herzustellen. Schüler brauchen Sozialpädagogen, ist die Elftklässlerin Maren Balbach überzeugt. Sie sind „neutrale Ansprechpartner, die einen guten Kontakt zu Schülern haben.“

Harry Mergel hebt die soziale Misere hervor: „Es ist eine Schande, dass Bildungschancen immer noch an soziale Herkunft geknüpft sind.“ Als Heilbronner Sozialbürgermeister sei er Tag für Tag mit den Auswirkungen des ungerechten Bildungssystems beschäftigt.

Den aktuellen Bezug schafft der Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Rainer Dahlem, und erntet großen Beifall: „Wer jungen Menschen ihre Zukunft verbaut und ihnen keine berufliche und gesellschaftliche Perspektive eröffnet, der braucht sich nicht zu wundern, dass diese Jugendlichen gewalttätig und kriminell werden.“

In der großen Lichterrunde äußert die Lehrerin Annette Eckert von der Silcherschule Heilbronn leise Hoffnung: „Wenn Eltern Initiativen starten, dann bewegt sich am ehesten was.“

==> Link zum Originalbericht der Heilbronner Stimme

Zuletzt geändert am: 03.02.2009 um 16:06


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