3. Lichterkette: Protest gegen Schulmisere (HST 01/2009)

Veröffentlicht von Administrator am 04.02.2009
Presse >>

„Wir haben zu viele Stunden und zu viel Stoff zu bewältigen.“

Schülerin Franziska Heinrich

Von Katja Feiler

Heilbronn - Es ist die Hölle: Unsere Kinder gehen kaputt.“ Evelyn Kraft macht ihrem Unmut Luft. Sie hält aus Protest gerne bei eisigen Temperaturen ihr Licht in der Hand, um gemeinsam mit rund 300 Eltern, Lehrern und Schülern zu zeigen: Das Schulsystem krankt. Die Heilbronner Mutter kritisiert vor allem das achtjährige Gymnasium, G8: „Das System ist unausgegoren. Es fehlen die Wiederholungsphasen.“ 36 Wochenstunden verbringt ihr Sohn inzwischen im Klassenzimmer. „Und da ist noch keine einzige Vokabel gelernt.“

Die G-8-Schülerinnen Franziska Heinrich und Judith Kirchgässner fühlen sich als Versuchskaninchen. Die beiden 15-jährigen Schülerinnen des Hohenstaufen-Gymnasiums in Bad Wimpfen sind am Freitagabend auf den Kiliansplatz nach Heilbronn gekommen, um als Teil der dritten Lichterkette in Heilbronn zu sagen: „Wir haben zu viele Stunden und zu viel Stoff zu bewältigen.“ Auch die Angst vor dem Jahr 2012 treibt sie um. Dann werden zeitgleich die letzten Schüler des neunjährigen und die ersten des achtjährigen Gymnasiums auf den Arbeitsmarkt strömen.

Die Heilbronner Protestierenden wissen, dass sie nicht alleine sind: In 18 weiteren Städten im Land stehen zur selben Stunde Menschen auf der Straße, um den Politikern ihre Botschaft zu verdeutlichen: „Ist es denn zu viel verlangt, endlich genügend angemessen bezahlte und qualifizierte Lehrkräfte zur Verfügung zu haben, um dem endlosen Ausfall von Unterrichtsstunden entgegenzusteuern?“ Der stellvertretende Vorsitzende des Gesamtelternbeirats Martin Fischer hofft endlich auf die „Erleuchtung“ der Politiker.

Schließlich seien die Forderungen nichts Neues: Sie bestehen seit der Gründung der Initiative Schule mit Zukunft im Jahr 2007. Seit einer Woche ist aus dem Zusammenschluss Schule mit Zukunft sogar ein Verein geworden.

Der Vorsitzende des Ortsverbands der Lehrergewerkschaft Karl-Heinz Trumpf klagt in seiner Rede an: „Die Um-Etikettierung der Hauptschule löst die Probleme des dreigliedrigen Schulsystems nicht.“ Trumpfs Forderung, die viele der Zuhörer unterstreichen können: „Eine gute Schule für alle - mit individueller Förderung.“

Als Vertreterin der Schüler tritt Lisa Gimbel (15) von der Theodor-Heuss-Schule in Brackenheim hinters Mikrofon. Sie wünscht sich eine „AG für Schüler und Lehrer, damit sich die beiden endlich besser verstehen.“ Ihre Hände wärmt sich die 17-jährige Madeline Wolff aus Heilbronn an ihrer Kerze, als sie ihre Kritik in drei Schlagworte fasst: „Zu große Klassen, zu kleine Klassenzimmer und zu wenige gute Lehrer.“

==> Link zum Originalbericht der Heilbronner Stimme

Zuletzt geändert am: 06.08.2009 um 09:22


Zurück